Bewerbungsschreiben
zur Feuerwehr des Monats


 
Pressebericht: Frankfurter Rundschau 23.04.2009
 

Spritzen mit Prädikat

Eine ausgezeichnete Feuerwehr

Im Feuerwehrhaus

VON GEORGE GRODENSKY

 
 






Bild:

Christoph Boeckheler

     

Die Freiwillige Feuerwehr am Ort erfreut sich einer gewissen Berühmtheit. Einmal, weil sie nach ganz Hessen zu Unfällen mit Gefahrengut ausrückt. Außerdem, weil sie eines der wenigen Gerätehäuser auf der Welt besitzt, an dessen Fenstern Gardinen hängen. Das obere Stockwerk hat der Verein in Eigenregie zu einem gemütlichen Heim umgebaut.

Das heißt aber nicht, dass die 319 Wehrmitglieder bevorzugt der Gemütlichkeit frönen. "Wir sind keine Feierwehr", bringt es Wehrführer Wolfgang Mehmel auf den Punkt. Seine Truppe ist motiviert, verrichtet die Dienste eisern bei Wind und Wetter. Und heute erhalten die Brandschützer die offizielle Bestätigung, eine dufte Truppe zu sein. Die Praunheimer werden Hessens Feuerwehr des Monats April. Die Urkunde überreicht Frankfurts ehemaliger Sicherheits- und späterer Wirtschafts-Dezernent Boris Rhein; der ist nun Staatssekretär in Wiesbaden.

Die Auszeichnung bekommt die Wehr auch für ihre vorbildlichen Jugendarbeit. 1992 gründeten die Praunheimer die erste Miniwehr der Republik für Vier- bis Zehnjährige. 15 davon hat die Einsatzabteilung übernommen. Dabei lernen die Minis gar nicht, wie sie Brände bekämpfen können.

"Im Gegenteil", sagt Martina Kühn. Seit 1995 kümmert sie sich zusammen mit Gerhard Suchomel jeden Freitag eine Stunde lang um das Thema "Brandschutzerziehung". "Weg von der Gefahr", das ist die erste Lektion. Dann: Hilfe holen. Bei Kühn und Suchomel lernen die Kinder, was sie am Telefon sagen müssen. Außerdem nehmen sie ihnen die Angst vor dem Mann mit der Maske und dem Helm. Mehmel hat so etwas schon erlebt: "Manche Kinder verkriechen sich vor Schreck unter dem Bett." Der Lebensretter wird zum Schreckgespenst. Brandschutz und Lebenshilfe

Ganz nebenbei erziehen die Praunheimer auch die Eltern der Minis. Die Kleinen machen schnell zu Hause Rabatz, wenn nicht die 112 auf dem Telefon steht, oder wenn Papa mit Spiritus den Grill anzündet.

Zentraler Gedanke der ganzen Jugendarbeit im Haus ist, das Miteinander zu fördern, aber auch mehr zu bieten, als nur Feuerwehrthemen. Auch Michael Waldhäuser achtet bei seinen Zehn- bis 17-Jährigen darauf, dass sie Lektionen fürs Leben lernen. "Freie Rede" zum Beispiel. Oder sich zu organisieren, Dinge zu planen, genauso wie Teamarbeit und als Gruppenführer ein sicheres Auftreten an den Tag zu legen.

Auch Feuerwehrfremde Eltern und Erzieher bilden sich im Gerätehaus fort. Seit zwei Jahren haben die Praunheimer Erste-Hilfe-Kurse im Programm, die auf Kinderzimmer-Unfälle spezialisiert sind: Wenn Junior Spüli trinkt.