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Die
Freiwillige Feuerwehr am Ort erfreut sich einer gewissen
Berühmtheit. Einmal, weil sie nach ganz Hessen zu
Unfällen mit Gefahrengut ausrückt. Außerdem, weil sie
eines der wenigen Gerätehäuser auf der Welt besitzt, an
dessen Fenstern Gardinen hängen. Das obere Stockwerk hat
der Verein in Eigenregie zu einem gemütlichen Heim
umgebaut.
Das heißt aber nicht, dass die 319 Wehrmitglieder
bevorzugt der Gemütlichkeit frönen. "Wir sind keine
Feierwehr", bringt es Wehrführer Wolfgang Mehmel auf den
Punkt. Seine Truppe ist motiviert, verrichtet die
Dienste eisern bei Wind und Wetter. Und heute erhalten
die Brandschützer die offizielle Bestätigung, eine dufte
Truppe zu sein. Die Praunheimer werden Hessens Feuerwehr
des Monats April. Die Urkunde überreicht Frankfurts
ehemaliger Sicherheits- und späterer
Wirtschafts-Dezernent Boris Rhein; der ist nun
Staatssekretär in Wiesbaden.
Die Auszeichnung bekommt die Wehr auch für ihre
vorbildlichen Jugendarbeit. 1992 gründeten die
Praunheimer die erste Miniwehr der Republik für Vier-
bis Zehnjährige. 15 davon hat die Einsatzabteilung
übernommen. Dabei lernen die Minis gar nicht, wie sie
Brände bekämpfen können.
"Im Gegenteil", sagt Martina Kühn. Seit 1995 kümmert sie
sich zusammen mit Gerhard Suchomel jeden Freitag eine
Stunde lang um das Thema "Brandschutzerziehung". "Weg
von der Gefahr", das ist die erste Lektion. Dann: Hilfe
holen. Bei Kühn und Suchomel lernen die Kinder, was sie
am Telefon sagen müssen. Außerdem nehmen sie ihnen die
Angst vor dem Mann mit der Maske und dem Helm. Mehmel
hat so etwas schon erlebt: "Manche Kinder verkriechen
sich vor Schreck unter dem Bett." Der Lebensretter wird
zum Schreckgespenst. Brandschutz und Lebenshilfe
Ganz nebenbei erziehen die Praunheimer auch die Eltern
der Minis. Die Kleinen machen schnell zu Hause Rabatz,
wenn nicht die 112 auf dem Telefon steht, oder wenn Papa
mit Spiritus den Grill anzündet.
Zentraler Gedanke der ganzen Jugendarbeit im Haus ist,
das Miteinander zu fördern, aber auch mehr zu bieten,
als nur Feuerwehrthemen. Auch Michael Waldhäuser achtet
bei seinen Zehn- bis 17-Jährigen darauf, dass sie
Lektionen fürs Leben lernen. "Freie Rede" zum Beispiel.
Oder sich zu organisieren, Dinge zu planen, genauso wie
Teamarbeit und als Gruppenführer ein sicheres Auftreten
an den Tag zu legen.
Auch Feuerwehrfremde Eltern und Erzieher bilden sich im
Gerätehaus fort. Seit zwei Jahren haben die Praunheimer
Erste-Hilfe-Kurse im Programm, die auf
Kinderzimmer-Unfälle spezialisiert sind: Wenn Junior
Spüli trinkt. |