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Frankfurt am Main, Stadtteil Praunheim
Der
Stadtteil Praunheim, im Norden Frankfurts gelegen, ist von einer gut
gewachsenen Infrastruktur geprägt. Neben kleinen Handwerksbetrieben
und Handelsfirmen sind auch Großbetriebe des Bereiches
Kraftfahrzeuge vertreten. Eine extreme Ghettobildung mit sozialen
Problemen, wie in anderen Stadtteilen festzustellen, gibt es in
Praunheim nicht.
Bewerbung zur Feuerwehr des Monats
Die Freiwillige
Feuerwehr Frankfurt am Main-Praunheim besteht seit mehr als 80
Jahren. Gerade aber in den letzten 15 bis 20 Jahren ist sie mehr als
nur eine Feuerwehr, die auf ehrenamtlicher Basis zu Einsätzen
gerufen wird und auf diese Art und Weise schon – wie alle anderen
Freiwilligen Feuerwehren auch – einen großen Beitrag zum Brandschutz
für die jeweiligen Gemeinde, den jeweiligen Stadtteil oder auch für
die gesamte Stadt leistet.
Der Wehrführer
Wolfgang Mehmel hat unter dem Motto „eine Feuerwehr, die neue Wege
geht“ vor mehr als 15 Jahren versucht, mit seiner Wehr nicht nur
einen Beitrag zum Thema Brandschutz zu leisten, sondern sein größtes
Anliegen war und ist es, gerade die Kinder und Jugendlichen zu
schützen, bzw. die Größeren dazu zu animieren, über den Tellerrand
hinaus zu schauen und nach eigenen Möglichkeiten und Kräften anderen
Menschen zu helfen. Der Erfolg ist dabei auf seiner Seite: die
Jugendfeuerwehr der FF Praunheim zieht nach wie vor eine große
Anzahl Jugendlicher zwischen 10 und 17 Jahren an, die hier auf
freiwilliger Basis zur Arbeit in der Feuerwehr herangezogen werden
und denen es jetzt schon ein Anliegen ist, anderen Menschen, die in
Not sind, zu helfen. Dies alleine wäre aber noch nicht wirklich
etwas besonderes, denn diese hervorragende Arbeit leisten im
gesamten Bundesgebiet unzählige weitere Freiwillige Feuerwehren.
Die Tatsache, dass
immer noch viel zu viele Kinder im Feuer ersticken, weil sie in
ihrer Angst und Panik sich an Orten verstecken, an denen sie durch
die Feuerwehrleute nicht direkt gefunden werden können, ließ
Wolfgang Mehmel aufhorchen und nach Überlegungen mit Zustimmung des
damaligen Stadtbrandinspektor Gerd Weidhaas 1992, in der
Freiwilligen Feuerwehr Praunheim die erste „Minifeuerwehr“ in
Frankfurt, vermutlich auch in Deutschland zu gründen.
Die
„Minifeuerwehr“ ist gedacht für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren, die
in regelmäßigen Übungsstunden mit den Themen der
Brandschutzerziehung vertraut gemacht werden. Dabei geht es in
erster Linie keinesfalls darum, „kleine Feuerwehrleute“ heran zu
ziehen, sondern hier steht an erster Stelle, mit den Kindern zu
üben, sich selbst in Sicherheit zu bringen, Hilfe zu holen und den
Notruf abzusetzen. Auch hier verleiht der Erfolg Flügel: mit Geduld
und großem Engagement gelang es dem Betreuerteam der Minifeuerwehr
Frankfurt am Main Praunheim unter W. Mehmel, in den vergangenen 15
Jahren weitere 10 Freiwillige Feuerwehren in Frankfurt dazu zu
bewegen, ebenfalls eine Minifeuerwehr zu gründen und ein Modell zu
entwickeln, das über die Grenzen des Rhein-Main-Gebietes hinaus
Anerkennung gefunden hat und mittlerweile auch dort Nachahmung
findet.
Auf diese Weise
werden in Frankfurt allein über 300 Kinder im Sinne der
Brandschutzerziehung angelernt und u.a. das Interesse für die
ehrenamtliche Tätigkeit bei einer Freiwilligen Feuerwehr geweckt, so
dass wir mittlerweile über 20 Mitglieder in den Einsatzabteilungen
haben, die ihre „Karriere“ in der Minifeuerwehr begonnen hatten.
Aber damit nicht
genug: auch mit vielen weiteren Aktionen wie z.B. Ausrichtung
verschiedener Stadtteilfeste, Teilnahme an Veranstaltungen der Stadt
Frankfurt, Kinderaktionen, sowie reger Beteiligung an Hilfsaktionen,
die über die Grenzen Deutschlands hinausgehen, zeichnen die Arbeit
in der Freiwilligen Feuerwehr Praunheim aus. Aber die Ideen der
Wehrführung und des Vereinsvorstandes sind unerschöpflich: in
Planung sind Aktionen, bei denen gerade die älteren Mitbürger
angesprochen werden sollen, um hier nach Möglichkeit auch das
Verhalten in Gefahrensituationen zu trainieren und so ein Stück
Sicherheit zu vermitteln. Auch der Ausbau einer „Kleinkinder- und
Säuglings-Erste-Hilfe“ bei der nicht nur Eltern, sondern auch
Erziehern aus den verschiedensten Kinderbetreuungsgruppen der Stadt
Frankfurt einfache Handgriffe und Verhaltensweisen gelernt werden,
ist bereits im Laufen.
In diesem Sinne
arbeiten alle Gruppen: Kinder, Jugendliche, so wie die Erwachsenen
aus der aktiven Abteilung Hand in Hand, lernen, nicht weg zu
schauen, sondern dort Hand anzulegen, wo Hilfe gebraucht wird,
lernen, Respekt und Verständnis für die Mitmenschen zu haben. Gerade
die jüngeren Mitglieder erfahren das so wichtige Vertrauen in die
eigene Arbeit, werden unterstützt und gefördert und erlangen so das
notwendige Selbstvertrauen, um Entscheidungen selbst zu fällen,
Regeln zu beachten, die für ein Leben in der Gemeinschaft notwendig
sind, aber auch im Zweifelsfall veraltet sind und daher aktiv
überarbeitet werden müssen.
Es
erscheint uns daher umso vordringlicher, neben Kino, Disko,
Playstation und Computer Begeisterung für den ehrenamtlichen Dienst
am Mitmenschen zu wecken. Einen Dienst, der in dieser direkten Form
nur bei einer Feuerwehr möglich ist. Wir haben die schöne Erfahrung
gemacht, dass der Appell an diese Hilfe nicht ungehört verhallt.
Die Mitgliederzahlen beweisen dies.
Neben der Kernaufgabe Freiwillige Feuerwehr bieten wir aus den
vorgenannten Gründen eine weit gefächerte Palette von Aktivitäten,
damit jeder seine Vorstellungen soweit als möglich erfüllen kann.
In
erster Linie ist es zwingend, den Feuerwehrdienst abwechslungsreich
zu gestalten. Es ist ansonsten schwer zu vermitteln, weshalb ein
C-Schlauch in der Ausbildung wieder und wieder aufgerollt werden
muss. Gerade durch das spielerische Heranführen der Jugendlichen an
eine nur gemeinsam optimal zu lösende Aufgabe wird eine wichtige
Funktion erfüllt.
Ein
für uns sehr wichtiger und unverrückbarer Faktor ist die Gestaltung
eines lebendigen Innenlebens der Wehr.
So
hatten wir die Gelegenheit, bei einem Musikvideo von DJ Bobo drei
Tage lang als Statisten mitzuwirken. Drei Tage, die allen
Teilnehmern unvergessen bleiben. Als kleines Dankeschön erhielten
wir ausreichende Anzahl von Karten für das Konzert von DJ Bobo. Dies
war natürlich ein Leckerbissen speziell für die Jugendabteilung,
vorzeitiger Einlass in die Konzerthalle und Plätze in der ersten
Reihe.
Durch verschiedene Übungen kam ein enger und freundschaftlicher
Kontakt zu Profis für Spezialeffekte für Film und Fernsehen
zustande. Hierdurch wurden zum einen unsere Übungsdarstellungen sehr
realistisch und zum zweiten hatten unsere Mitglieder reichlich
Gelegenheiten, die diversen Tricks und Kniffe auch unter Anleitung
selbst auszuprobieren.
Durch diese Kontakte wurde es uns auch ermöglicht, an einem Dreh zu
einer Dokumentation über Flugzeugabstürze mitzuwirken. Trotz mehr
als ungünstiger Witterung waren alle mit Feuereifer im wahrsten
Sinne des Wortes dabei.
Nebenbei, nicht ganz unwichtig sind die fördernden Mitglieder. Neben
den örtlichen Honoratioren ist es günstig, auch andere Menschen der
Spezies „Promi“ in das gemeinsame Boot zu holen. Ebenfalls durch
Filmaufnahmen ist es uns gelungen, DJ Bobo als förderndes Mitglied
zu gewinnen. Gerade auf der so wichtigen und notwendigen Suche nach
Sponsoren können so entscheidende Punkte gemacht werden.
Trotz erheblicher Bedenken Dritter ist es uns gelungen, auch die
oftmals schwierige Arbeit mit Behinderten zu integrieren. Die
Praunheimer Werkstätten, eine beschützende Einrichtung in
unmittelbarer Nähe unseres Gerätehauses, nimmt mit ihren
Schützlingen soweit als möglich an kleinen Feuerwehrwettkämpfen
teil. Es ist immer wieder zu beobachten, dass alle Gruppen,
Behinderte wie Nichtbehinderte, durch das gemeinsame Erleben
gestärkt werden.
Besondere Beachtung verdient das eingangs angesprochene veränderte
Freizeitverhalten. Wenn die Verantwortlichen einer Feuerwehr,
speziell einer großstädtischen Freiwilligen Feuerwehr, dies nicht
berücksichtigen, wird es zu erheblichen Personalproblemen kommen.
Die Hauptinteressen der Jugendlichen sind nun halt nicht mehr auf
soziale Tätigkeiten gerichtet, zumal es ausreichend andere
Möglichkeiten gibt, sich auszuleben.
Aus
diesem Grund haben wir es uns zu Eigen gemacht, alle zwei Jahre
einen Feuerwehrball im großen Stil auszurichten und selbst zu
gestalten. Trotz des erheblichen Zeitaufwandes ist es immer wieder
begeisternd zu sehen, wie sich alle
engagieren und zum Erfolg beitragen. Hier wird alle selbst
produziert. Von den Kostümen über die Texte bis hin zur Beleuchtung
und Bühnengestaltung. Jeder findet seinen Platz und kann seine
Kenntnisse, Geschicke und Erfahrungen einbringen. Wichtig ist eine
Themen Mischung für alle Schichten.
Ein
wichtiger Punkt bei der Motivation der Helferinnen und Helfer bildet
die möglichst breit angelegte Ausarbeitung von Übungen. Hier wird
durch das Zusammenwirken mit anderen Hilfsorganisationen in erster
Linie eine hervorragende Aus- und Fortbildung betrieben. Eine
Wissensvermittlung, die auch im allgemeinen Leben im wahrsten Sinne
des Wortes Leben retten kann. Aber auch die Erfahrung, dass
anlässlich unseres Hochwassereinsatzes in Frankfurt/Oder, Dresden,
Prag und in Frankfurt beim Katastrophenfall Hochwasser sich viele
Probleme und Reibereien in der Zusammenarbeit gar nicht erst
stellen, wenn man durch Übungen mit diesen Situationen vertraut ist.
Wir
sehen es auch als unsere wichtige Aufgabe an, Hilfe bei sozialen und
häuslichen Problemen der Mitglieder zu geben. Auch hierfür sollte
sich eine Gemeinschaft wie die der Feuerwehr verantwortlich fühlen.
Gerade durch die Ortsgebundenheit verfügen wir über Chancen, von der
Wohnungssuche bis hin zur Stellenvermittlung helfen zu können. Diese
Chancen gilt es wahrzunehmen und speziell den Jugendlichen zu sagen,
hier ist ein Ansprechpartner, der sich für euch intensiv und
kompetent einsetzt.
Zusätzlich zu
diesen Aufgaben erledigen die aktiven Kameraden ihre Einsätze mit
der notwendigen Professionalität, betreuen den GABC-Dekon-Zug der
Stadt Frankfurt und versuchen in Bezug auf Aus- und Weiterbildung
sich auf dem aktuellsten Stand zu halten.
Diese Ausarbeitung kann nur einen kleinen Querschnitt dessen
darstellt, wie unsere Wehr die Attraktivität und das Ansehen des
Ehrenamtes steigert.
Unser erster Grundsatz ist das frühzeitige Einbeziehen alles
Helferinnen und Helfer in Entscheidungsprozesse. Es macht in aller
Regel wenig Sinn, Entscheidungen von oben nach unten ohne Gespräche
und Diskussionen zu treffen. Gerade die Jugendlichen in ihrer von
der schnelllebigen Zeit geprägte Lebensauffassung erwarten
Erläuterungen, weshalb dieses oder jenes sein soll oder muss. Sie
haben für die oftmals (leider) noch vorhandene Einschätzung der
Feuerwehr als „Feierwehr“ kein Verständnis und lehnen daher eine
Mitgliedschaft ab. Es ist Sache der Feuerwehr und ihrer Führung,
hier eine Verbesserung des Ansehens herbeizuführen.
Klare und ehrliche Erläuterungen machen das Verständnis für die
teilweise auch sehr belastenden Maßnahmen leichter. Die Arbeit wird
dadurch optimiert, da sich alle mit der Gemeinschaftsaufgabe
identifizieren.
Die
Freiwilligen Feuerwehren haben nach unserer festen Überzeugung neben
den brandschutztechnischen Aufgaben eine eminent wichtige Stellung
im sozialen Gefüge unseres Staates. Und es ist damit auch eine
Aufgabe unseres Staates, diesen wichtigen Faktor in ihrer oftmals
schwierigen Arbeit zu unterstützen.
Wir
würden uns freuen und in unserer Arbeit bestätigt fühlen, wenn das
zurzeit an den Tag gelegte mit Interesse verfolgen und unsere
Bewerbung zur Feuerwehr des Monats überprüfen würden. Dazu gibt
Ihnen auch unser Internetauftritt viele Möglichkeiten.
 Wolfgang Mehmel Wehrführer
Frankfurt, den 22.09.2008 |